„Dem Kunden von morgen sind unsere gelben Kästchen egal. Es geht um die Intelligenz, die drinsteckt.“

Interview mit Dorothea Bender-Fernández,
Beiratsvorsitzende der Bender Group

Was ist deine Aufgabe bei Bender?

Der Auftrag von Bender ist seit 75 Jahren unverändert: Den Menschen im Umgang mit Strom zu schützen. Meine Aufgabe ist es, zu fragen:
„Was bedeutet dieser Auftrag heute und morgen? Wo wollen wir hin? Und wie entwickeln wir das Unternehmen dorthin?“ Wir sind mit Begeisterung dabei und ich bin extrem neugierig, wie das Unternehmen zu seinem 100-jährigen Jubiläum aussehen wird und was wir für tolle Produkte entwickelt haben werden. Irgendwann will ich einen Termin verschicken mit dem Betreff „100 Jahre Bender – Jubiläumsplanung“.

War es für dich immer schon klar, dass du ins Familienunternehmen eintreten würdest?

Ehrlich gesagt, nein. Aber wenn ich zurückdenke, fällt mir auf, dass sich vieles schon früh in diese Richtung entwickelt hat. Mein Kinderzimmer war beispielsweise das alte Büro von meinem Opa Walther Bender. Und der Lötkolben war def‌initiv mein Lieblingsspielzeug. Die Faszination für Technik hat mich also früh erwischt und weit übers Elektrotechnik-Studium hinausbegleitet. Aber eine aktive Rolle bei Bender? Das war nicht mein Plan – auch wenn sich das viele Außenstehende anders vorstellen. Ich glaube, im Leben ergeben sich manche Wege erst auf dem Weg. Aber ich f‌ind’s toll, jetzt hier zu sein.

Wie sieht deine Arbeit konkret aus?

Ich gestalte das Unternehmen vom Beirat aus. Zusammen mit Carsten Hoff und Matthias Händle setze ich als Vorsitzende strategische Leitplanken und begleite die Geschäftsführung, sodass wir kulturell und operativ in dieselbe Richtung laufen. Wobei – wir laufen nicht in dieselbe Richtung. Wir joggen. Das Unternehmen darf sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Wir wollen nicht mitschwimmen, wir wollen führen.

Du bist seit zwei Jahren im Beirat – was waren bis dato die größten Meilensteine?

Ein Beirat war für Bender neu. Das Wichtigste war somit, ein Führungsteam aus Beirat und Geschäftsführung zu formen, das Bender voranbringt. Und das haben wir geschafft! Die Zusammenarbeit ist geprägt von einer wohltuenden Offenheit und gegenseitigem Respekt. Sogar Streiten macht Spaß. Denn jeder hat seine Kompetenzen und wertschätzt die der anderen. Das motiviert und führt zu tollen Ergebnissen.

Wir sind stolz, 74 MitarbeiterInnen in Dresden und ein Unternehmen in Singapur in der Bender Group willkommen zu heißen. Als Gesellschafter haben wir nun die 4. Generation der Familie an Bord. Dies ist ein wichtiger Moment, um uns gemeinsam zu fragen: Was ist unsere Vision für Bender? Welche Werte sollen unser Miteinander prägen? Und wie verankern wir diese in unserer Unternehmenskultur? Zusammenfassend: Um vorwärtszukommen, wollen wir als Unternehmen mutig sein.

Welche Herausforderung gibt es beim Mutigsein?

Wir sind heute ein globales Familienunternehmen. Es reicht nicht dazuzukaufen oder einfach größer zu werden. Es gilt zusammenzuwachsen und die Erfahrung und das Know-how zu bündeln, damit wir unsere PS noch stärker auf die Straße bringen.
Diese Straße war vor 75 Jahren noch eine Landstraße mit Pflastersteinen, heute ist sie eine 8-spurige Autobahn. Sprich: Ein sehr schneller und komplexer Markt. Die Kunst dabei ist es, nicht am Kunden vorbeizurauschen, sondern genau zuzuhören.

Was braucht der Kunde von morgen?

Dem Kunden sind unsere gelben Kästchen egal. Es geht um die Intelligenz, die drinsteckt. Immer mehr Kunden erwarten von uns nicht nur einzelne Produkte, sondern komplette Lösungen. Und alle, die sich mit diesem Thema beschäftigen, wissen: Der Weg dahin ist extrem herausfordernd. Denn für jeden Bereich und jeden Kunden bedeutet Lösung etwas anderes.
In einer immer dynamischeren Welt brauchen wir starke Partner und Kooperationen, um dem Kunden die besten Lösungen bieten zu können.

Wo siehst du Bender in 10 Jahren?

Wir sind auf allen Zukunftsmärkten zu Hause, von E-Mobility über Industrie bis zur Krankenhaustechnik. Und diese Märkte entwickeln sich täglich weiter. Das bedeutet für mich: 10 Jahre sind keine planbare Zeiteinheit mehr.
Es mag für einige Ohren noch ungewohnt klingen, aber wir sind ein Tech-Unternehmen. Denn auch bei uns macht die Software den Unterschied – und nicht mehr die Hardware.

Was treibt dich persönlich an?

Ich will – wie unser Jubiläumsmotto sagt – einen Impact machen. Ich will, dass unsere Lösungen einen Unterschied in dieser Welt bewirken. Dabei geht es mir nicht nur ums Verändern, sondern wirklich ums Verbessern. Es gibt noch so viel für uns zu entdecken, von dem wir heute noch gar nichts wissen. Das macht Bender so spannend. Und das treibt mich an.

Dorothea Bender-Fernández

hatte verschiedene Aufgaben innerhalb der Bender Group. Sie war im Board of Directors für Bender Inc in den USA und ist derzeit Vorstandsvorsitzende der gesamten Gruppe. Sie hat einen Bachelor of Science in Elektrotechnik der Widener University, wo sie Präsidentin des IEEE Student Chapters war. Außerdem ist sie Mitglied der Young Presidents‘ Organization.